SIRIUS – Diebstahl im Louvre

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„Paris riecht nach tausend Dingen auf einmal." So beginnt ein Kinderkrimi, der seine Stadt nicht zeigt, sondern riecht: nach Croissants, Regen auf alten Steinen, teurem Parfüm – und nach „dem Geruch einer Geschichte, die gleich beginnt". Erzähler ist Sirius, ein Deutscher Schäferhund von beachtlicher Intelligenz und ausgezeichneter Nase, der seinen Menschen, Inspektor Marco, in dem Glauben lässt, er löse die Fälle.

Der Fall ist ein klassisches Rätsel im Sinne Agatha Christies. Ein Diamant, so groß wie eine Walnuss, verschwindet aus dem Louvre. Der Laseralarm wurde nicht ausgelöst, die Türen waren verschlossen, die Wachleute haben nichts gehört. Sechs Verdächtige – eine makellose Kuratorin, eine ehrgeizige Journalistin, ein zu unauffälliger Kunstliebhaber, zwei Arbeiter mit Salamibrötchen und ein Hausmeister, der nach „absolut gar nichts Verdächtigem" riecht – versammeln sich am Ende im goldenen Saal, während Sirius die Lösung längst in der Nase hat.

Das Rätsel spielt fair. Jeder Hinweis, den Sirius erschnuppert – ein Fleck auf einem Schuh, ein schillernder Fleck auf einer Jacke, Handschuhe, die „ganz leicht nach Dach" riechen, ein Fenster hoch oben, kaum größer als ein Buch –, erhält das lesende Kind, bevor er aufgelöst wird. Wer aufmerksam ist, kann mitraten. Die Auflösung ist so überraschend wie folgerichtig: Der Dieb hat Flügel.

Seine Tiefe entfaltet das Buch danach. Die Täterin handelte nicht aus Gier, sondern aus einem alten Unrecht: Das Juwel gehörte ihrer Großmutter und wurde im Krieg gestohlen. Sirius' Urteil darüber ist so klar, wie ein Kinderbuch es formulieren kann: „Ich glaube, sie hatte recht, dass es Unrecht war. Aber es zurückzunehmen, war trotzdem ein Nehmen." Und auf den Einwand, das sei eine sehr komplizierte Antwort: „Die meisten wahren Dinge sind kompliziert." Ohne zu belehren öffnet das Buch damit ein Gespräch über Gerechtigkeit, Herkunft und Wiedergutmachung.

Marco Scutos Aquarelle in loser Tuschezeichnung geben dem Text die Leichtigkeit eines Skizzenbuchs. Paris entsteht nicht als Kulisse, sondern in Blicken: der Eiffelturm durchs Caféfenster, die Dächer des Louvre aus der Hundeperspektive, der Arc de Triomphe in der Ferne. Die Figuren sind mit journalistischem Strich charakterisiert; man erkennt jede an ihrer Haltung, bevor man ihren Namen liest.

Ein Anhang mit fünfzehn „Wahr oder nicht wahr?"-Fragen verbindet die Fiktion mit der Wirklichkeit – mit der Geschichte des Louvre, der Intelligenz von Krähen, dem Geruchssinn von Hunden und dem realen Louvre-Raub von 2025, der die Geschichte inspirierte. Die letzte Frage lautet: „Man kann aus einem verständlichen Grund handeln und trotzdem etwas Falsches tun." Die Antwort: Wahr.

Ein Kinderkrimi mit einem unverwechselbaren Erzähler, einem fair gebauten Rätsel und einer moralischen Frage, die Kinder ernst nimmt.

978-3-910368-25-5