Tigerritt
€19.00
„Dies ist die Geschichte eines Mädchens, eines Tigers und einer sehr wichtigen Lektion über Cupcakes. Aber zu den Cupcakes kommen wir später."
Mia ist sieben und gerade umgezogen. Das neue Haus ist „durchaus in Ordnung", die Küche riecht nach der Suppe eines anderen, und in der Schule gibt es neue Garderobenhaken, die sie nicht findet. Beim Ballett steht sie still in der Ecke und fragt sich, welcher Fuß welcher ist. Ihre Blockflöte spielt sie, „als hätte diese sie ganz persönlich beleidigt". Und in der Pause sitzt sie unter dem großen Baum und beobachtet die anderen Kinder „so, wie man jemandem zuschaut, der eine fremde Sprache spricht".
Dann steht nachts ein Tiger in der Hintertür. Rajah hat sehr gute Manieren, einen ausgezeichneten Orientierungssinn und ist „vollständig stubenrein. Meistens." Er behauptet, Mia habe einen neuen Freund bestellt. „Ich habe gar nichts bestellt", sagt Mia. „Ich bin sieben." – „Macht nichts. Ich bin jetzt hier." Und dann reiten sie: durch den Wald, in einen Garten „der in tapferen Herzen wächst", übers Wasser, wo Mia zum ersten Mal Flöte spielt, als hörte niemand auf ihre Finger, und wo ihre Füße sich an jeden Ballettschritt erinnern, der seit dem Umzug in ihr eingeschlossen war.
Das Besondere an Tigerritt ist die Erzählstimme. Sie spricht in Klammern zu den Kindern, trocken, warm und nie von oben herab: „Traurigsein ist eine Vollzeitbeschäftigung und lässt nicht viel Raum, um Gärten zu bemerken." – „Der linke Fuß ist der, der links ist. Das ist, zugegeben, komplizierter, als es sich anhört, wenn man nervös ist." Sogar die Kellerassel auf dem Schulhof hat „beträchtliche Sorgen, die mit einem nahen Stiefel und einem ungewissen Nachmittag zu tun hatten, aber sie war viel zu höflich, um davon zu erzählen". Dieser Humor nimmt die Angst eines Kindes ernst, indem er sie nicht ernst nimmt – und genau das ist die Erleichterung.
Lemady Rochards Bilder erzählen die Geschichte parallel mit. Die Schulseiten sind hell, sparsam, mit viel Weißraum: Mia klein auf leerer Fläche. Mit Rajah explodiert die Farbe – Magenta, Ultramarin, Goldgelb, Blüten so groß wie Teller, ein silbernes Boot unter einem riesigen Mond. Am Ende, auf der Geburtstagsparty, kommt die Farbe zurück in die reale Welt. Mias innere Verwandlung ist so auch ohne Text lesbar.
Der Umzug selbst wird nicht aufgelöst; das Zimmer ist am Ende dasselbe wie in der Nacht zuvor. „Aber irgendwie fühlte es sich an wie ihr eigenes. (Solche Dinge brauchen Zeit. Der Trick ist nicht, den Moment zu bemerken, in dem sie sich verändern, sondern eines Morgens einfach festzustellen, dass sie es längst getan haben.)" Ob Rajah wirklich existiert oder der tapfere Teil von Mia selbst ist, lässt das Buch offen – und fügt für die Erwachsenen hinzu: „Aber wenn man sieben ist, schadet es auch nicht, zu wissen, dass er wirklich echt ist."
Ein Bilderbuch über die stille Art von Mut, mit einer Erzählstimme, die man nicht verwechselt, und Bildern, die Gefühle in Farbe übersetzen.
978-3-910368-30-9
